Voicings · linke Hand
Jazz-Voicings für die linke Hand
Wenn deine linke Hand nur Grundtöne und Oktaven spielt, klingt Jazz schnell nach Schlager. Der Ausweg sind Voicings: kleine Griffe aus den Tönen, die einen Akkord wirklich ausmachen. Hier ist der Weg in zwei Stufen.
Warum Terz und Septime reichen
Ob ein Akkord Dur-Septakkord, Moll-Septakkord oder Dominante ist, hörst du an zwei Tönen: der Terz und der Septime. Die Quinte ist in fast allen Akkorden gleich und kann weg, den Grundton übernimmt oft der Bass. Genau diese Reduktion macht Jazz-Voicings so kompakt und lässt der rechten Hand Platz.
Zwei Stufen, am Beispiel II-V-I in C
Shell 1 – 3 – 7 (bzw. 1 – 7 – 3)
| Stufe | Akkord | Töne (unten → oben) |
|---|---|---|
| ii | Dm7 | D F C |
| V | G7 | G B F |
| I | Cmaj7 | C E B |
Rootless A → B A: 3 – 5 – 7 – 9 · B: 7 – 9 – 3 – 5
| Stufe | Akkord | Töne (unten → oben) |
|---|---|---|
| ii | Dm7 | F A C E |
| V | G7 | F A B D |
| I | Cmaj7 | E G B D |
Stufe 1, Shell: Solange du allein spielst, behält die linke Hand den Grundton unten. Drei Töne, sofort jazzig, und du lernst nebenbei, wo in jedem Akkord Terz und Septime liegen.
Stufe 2, Rootless: Sobald der Grundton woanders herkommt (Bass, Band oder deine rechte Hand), lässt du ihn weg und nimmst die None dazu. A- und B-Form wechseln sich ab, so bleibt die Hand ruhig in der Mitte der Tastatur.
Alle zwölf Tonarten mit Tönen und Hörbeispiel stehen in der II-V-I-Tabelle für alle 12 Tonarten.
Ins Timing bringen: der Charleston-Rhythmus
Die richtigen Töne auf jedem Schlag klingen trotzdem steif. Fang mit dem Charleston an: ein kurzer Akkord auf Schlag 1, derselbe auf der „und“ von 2, dann Pause bis zum nächsten Takt. Das lässt Platz für die Melodie und bringt die linke Hand zum Swingen.
1 + 2 + 3 + 4 +
Übe ihn mit Metronom auf 2 und 4, erst auf einer II-V-I, dann durch die Tonarten. Sitzt der Charleston, probier Antizipationen: den nächsten Akkord schon auf der „und“ von 4, kurz vor dem Taktstrich.
So übst du, ohne dass es zäh wird
- Jeden Tag zehn Minuten statt einmal pro Woche eine Stunde. Voicings sind Reflexe, keine Theorie.
- Erst Shells in allen Tonarten, dann Rootless. Nicht beides gleichzeitig anfangen.
- Ohne Hinschauen spielen: Akkordsymbol lesen, Griff greifen, nächstes Symbol.
- Tempo messen. Wenn du bei einer Tonart hängen bleibst, ist das die Tonart für morgen.
Das Problem beim Üben allein: Du weißt nicht, ob du schneller wirst. Der Trainer zeigt dir ein Akkordsymbol, hört über dein MIDI-Keyboard zu und misst, wie lange du für jeden Griff brauchst.
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